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Geschichte der Gemeinde Bröthen

Am östlichen Rand des Amtes Büchen, an Mecklenburg grenzend, liegt die Gemeinde Bröthen. Bröthen gehört zu den Dörfern der Region, die von den Verkehrsentwicklungen der jüngeren Zeit kaum berührt worden sind. Weder Chaussee, Eisenbahn noch der Elbe-Lübeck-Kanal haben der Gemeinde Impulse vermittelt, die zu einer wirtschaftlichen Strukturänderung hätten führen können. So präsentiert sich die Gemeinde mit einer Fläche von rund 1.000 Hektar und einer Bevölkerung von etwa 230 Menschen als ein beschaulicher Wohnort mit Landwirtschaft und wenigem mit diesem Produktionszweig verbundenen Gewerbe.
Bröthen wird erstmals im Ratzeburger Zehntregister von 1230 urkundlich als Teil des Kirchspiels Büchen erwähnt. Der Ort entstand als Zusammenlegung und Neugründung zweier ehemaliger slawischer Siedlungen, die durch Bodenfunde nachweisbar sind. Der Name (im Zehntregister “Brotne”) ist slawischen Ursprungs und bedeutet soviel wie “Furt”. Berling verstand den Namen Bröthen als mittelhochdeutsch (von “breite”, ausgebreitet) und sah den Ort ebenso wie Fitzen als Gründung “Büchener Burgmänner” an. Laut Zehntregister hatte das Dorf 30 Hufen, tatsächlich waren es wohl nur 9, wie in einem amtlichen Hofregister von 1513 aufgeführt. Für Bröthen wird im Zehntregister von 1230 festgehalten, dass 5 Hufen abgabepflichtig an einen nicht weiter bekannten Adligen “Rudolf” waren. Möglicherweise war dieser der “Lokator” (Siedlungsleiter), der das Dorf angelegt hatte.
Aus Mittelalter und früher Neuzeit fehlen Nachrichten über Bröthen. Nach Berling bestand das Dorf aus zwei völlig getrennten Teilen, der eine zwischen der Niebuhrschleuse und Büchen, der andere in der heutigen Bröthener Heide. Die Grundherrschaft wurde zwischen dem Amt Lauenburg und dem Gut Gudow aufgeteilt.
Nach Meinung Berlings blieb Bröthen nach dem Dreißigjährigen Krieg jahrzehntelang wüst und wurde dann an der heutigen Stelle neu errichtet. 1809/1810 wurde das Dorf verkoppelt. 1870 betrug die Einwohnerzahl 110, die Häuserzahl 12. Im Jahre 1901 waren es 145 Einwohner. Mit der Einführung der Festlegung des Gemeindebezirkes durch die Preußen Anfang der 1870er Jahre kam die Niebuhrschleuse, eine Stauschleuse am Delvenau-Stecknitz-Kanal mit Schleusenmeisterwohnung und Schankwirtschaft, zum Gemeindegebiet. Schleusenmeister war damals August Andreas Burmester. Davor war es die Familie Niebuhr. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor der Kanal durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes zunehmend an Bedeutung. Der Bau des Elbe-Lübeck-Kanals ab 1896 berührte Bröthen nicht.
1925 wurden die Hand- und Spanndienste neu geregelt: Unter 5 Hektar Landbesitz brauchte durch den Bauern nun kein Zugtier mehr gestellt zu werden, zwischen 5 und 10 Hektar eines, von 10 bis 25 Hektar zwei und von 25 bis 40 Hektar Besitz drei Zugtiere. 1926 erfolgte der Ausbau der Straße von Bröthen nach Büchen zum Gesamtpreis von RM 6161,--. Erst mit der Ankunft von Flüchtlingen und Vertriebenen am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl: 1946 lebten 289 Menschen in Bröthen, 1950 bereits 312. 1970 waren es nur noch 215 Einwohner.
Bröthen ist über die Jahrhunderte durch die Landwirtschaft geprägt worden. Alte Bauernfamilien wie Franck, Siemers, Meincke, Eichhoff, Bruhn, Naumann, Wöhl, Scharnweber und Hocklas sind in den Höfe-Verzeichnissen festgehalten. Auf der Bauernstelle des Bauernvogtes Franck wurde bis zum Ersten Weltkrieg eine Schankwirtschaft betrieben. 1913 wurde Johannes Gerstenkorn, 1919 Anna Weißmann eine Gastwirtschafts-Konzession erteilt. Die ehemalige Försterei in der Büchener Straße wird heute als privates Wohnhaus genutzt. Auffallend im heutigen Dorfbild sind das 1931 eingeweihte Kriegerdenkmal sowie das 1974 errichtete Feuerwehrgerätehaus.
Durch die Teilung Deutschlands ab 1945 wurde Bröthen zum Grenzort am “Eisernen Vorhang”. Die alte Verbindung nach Schwanheide in Mecklenburg wurde unterbrochen. Der Bahnübergang Büchen-Schwanheide wurde nun durch die Grenztruppen der Nationalen Volksarmee bewacht.
Am 1. Mai 1976 wurde Michael Gartenschläger unweit von Bröthen von Soldaten erschossen, als er zum wiederholten Male versuchte, einen Selbstschuss-Apparat vom Typ SM 70 am Metallgitterzaun zu demontieren. Erst die Grenzöffnung 1989 stellte die Nachbarschaft zu den Mecklenburgern wieder her. Doch auch über 10 Jahre nach dem Fall der Mauer gibt es noch immer keine direkte Straßenverbindung nach Schwanheide.